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2. Oktober 2011

The Blankness Inside

And behind this ever-smiling facade, what's there?
Has there ever been something?
Maybe decades ago?
A will?
A position?
Vigor?
A character,
I mean,
a real one, not one added up by fragments,
or governed
by another person.

I don't know.
I've lost sight,
and more and more,
I'm losing
concern.

What a shame.

23. August 2011

Guten Tag (IV)

Guten Tag, lieber Herr von Bülow!

Heute habe ich zum ersten Mal wegen des Todes einer berühmten Persönlichkeit geweint. Das ist mir noch nie passiert. Nicht für Lady Di. Nicht für Michael Jackson. Und ganz sicher nicht für Amy Winehouse.

Ich bin mit Ihnen aufgewachsen. Sie waren anwesend im samstagabendlichen Wohnzimmer meiner Eltern, an den ersten Silvesterabenden, an die ich mich erinnern kann. Sie wurden zitiert und erinnert, Sie haben für Freude und Lachen gesorgt, anfangs vermutlich ohne dass ich verstanden hätte, warum. Sie sind Bestandteil meiner Sozialisation. Nur selten konnte ich das Wort "Maske" hören, ohne im Kopf "Maske? Welche Maske?" hinzuzufügen. Und nie - wirklich nie! - hat sich mir jemand mit "Mein Name ist..." vorgestellt, ohne dass ich im Inneren "Ich kaufe hier ein." vervollständigt habe. Sie wissen sicher, wovon ich spreche.

Herr von Bülow, ich habe völlig verdrängt, dass Sie schon 87 Jahre alt waren. Und ganz ehrlich - vor wenigen Tagen dachte ich noch (wie schon ziemlich oft vorher), ob Sie wohl demnächst nochmal einen Film machen. Und ob ich den dann auch wieder werde mitsprechen können, weil ich ihn so oft ansehen werde wie die beiden vorherigen.

Auch wenn Sie das hier nicht mehr lesen und auch zu Lebzeiten nie gelesen hätten - Ihr Tod hat mich zutiefst erschüttert. Einen wunderbaren Trost hat mir meine Freundin Pandoria beschert, die folgendes schrieb:
Einziger Trost: dass er den Tod hatte, den er verdient - einen königlichen. Mit 87 Jahren einfach irgendwann in trauter Umgebung einzuschlafen, womöglich ein wenig schmunzelnd sogar, ist doch im Grunde ziemlich ok.
Herr von Bülow - mögen Sie in Frieden ruhen!

27. Mai 2011

Guten Tag (III)

Lieber spanischer Gemüseexporteur,

sag mal, hältst Du uns eigentlich alle für bescheuert? Oder machst Du Dich einfach nur lustig über uns und klopfst Dir jetzt zusammen mit Deinen Gemüseexporteurskollegen laut lachend auf die Schenkel wegen der blöden Deutschen, denen Du wirklich weismachen wolltest, dass Deine Gurken völlig okay waren, als sie Deine Gurkenschule verließen (*kicher*) - und dass sie sich (*prust*) erst mit EHEC angesteckt haben, als sie im Großmarkt auf den Boden gestürzt sind (*brüll*).Link
Ja klar, so muss es gewesen sein, Gemüseexporteur, genau so. Und irgendwie schmeckt heute der Rhein so süß... ich glaube, das liegt daran, dass da gestern jemand in Basel einen Zuckerwürfel reingeworfen hat.

Aber nix für ungut, Gemüseexporteur, dass die spanischen Gemüseexporte nicht mehr viel mit Gemüse zu tun haben, wissen wir ja spätestens seit "We Feed the World". Und die Wurzel allen Übels, mein Lieber, das seid doch eigentlich auch gar nicht Ihr, sondern - und da haben wir's wieder - die Massentierhaltung. Oder wollt Ihr uns etwa auch weismachen, dass die genetische Optimierung des "Zuchtmaterials" (manche Ultra-Reaktionäre sagen auch "Tiere" dazu) gar nichts damit zu tun hat, dass sich - zunächst eigentlich völlig harmlose - Escherichia-Coli-Bakterien so verändert haben, dass sie einen derartigen Schaden anrichten?

Kein Fleisch mehr zu essen ist eine Wohltat. Dass man jetzt aber auch bei Gemüse vorsichtig sein muss, macht mir ernsthaft zu schaffen. Und dass es sogar eine Bio-Gurke war, die mit EHEC-Bakterien behaftet war, sorgt bei mir für allergrößte Verunsicherung.

Wo führt das alles noch hin?
fragt
Tinifeliz

14. Mai 2011

Guten Tag (II)

Lieber Rewe!

Ich bin mir nicht sicher, ob Du das hier liest, aber ich habe Dir folgendes mitzuteilen:
Wenn Du diese Vielfalt an Süßigkeiten direkt vor der Kasse genau in Evas Augenhöhe (< 90 cm!) ausbreitest, dann bist Du selber schuld, wenn sie alle Kinder Buenos durch die Packung hindurch anbeißt, alle Kinderriegel in ihrer Hand schmelzen lässt und an jedem Überraschungsei herumdrückt.

Ich jedenfalls bin nicht länger bereit,
a) Dir zusätzliche Umsätze zu bescheren, indem ich die Sachen dann aus schlechtem Gewissen mit aufs Band lege oder
b) meiner Tochter jedesmal eine Mords-Szene zu machen und sämtliche Wartenden um mich herum an meinen persönlichen Erziehungstricks aus der Kategorie "Wie setze ich mich gegenüber einer Zweijährigen durch" teilhaben zu lassen.

Nein, lieber Rewe, fortan werde ich sie einfach gewähren lassen. Denn - vielleicht vielleicht - merkst Du das ja irgendwann mal, und dann lernst Du - wie viele andere Supermarktketten vor Dir auch schon - vielleicht daraus, dass man als einer der führenden Einzelhandelskonzerne auch ohne Quengelware an den Kassen auskommen kann.

Aber diese Lernerfahrung lässt vermutlich so lange auf sich warten, dass Eva dann schon alt genug ist, selbst zu wissen, dass sie die Finger von den Kinder Buenos lassen soll. Schade eigentlich. Vielleicht fang ich dann selber an, ab und zu ein wenig darauf herumzukauen, wenn keiner guckt.

11. Mai 2011

Schlacht- & Sachgeschichten

An dieser Stelle sollte man vermutlich dazusagen "Bitte nur ansehen, wer starke Nerven hat".
In diesem Fall spare ich mir diesen Kommentar, weil ich alle meine lieben Blogleser darum bitte, sich das hier anzusehen.
Es handelt sich laut Kommentar um Filmmaterial aus einem Schlachthof, der auch im Auftrag von Bioland schlachtet. Ob das stimmt, weiß ich nicht, dafür gibt es keine Belege. Aber auch wenn es ein konventioneller Schlachthof ist, frage ich mich: Kann das wirklich irgend jemand wollen? Warum muss das sein? Müssen wirklich alle Argumente der Nachhaltigkeit aufgezählt werden? Die Kalorienmengen, die notwendig sind, um eine Kalorie Schweine- oder Rindfleisch zu erzeugen? Die genaue Anzahl des Vielfachen, die die Rinderzucht im Vergleich zum gesamten Transportverkehr der Erde zur Erderwärmung beiträgt?

Oder reicht vielleicht einfach nur dieser Film?



Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nur ein paar Sekunden geschafft habe. Dem Blick der Kuh beim "Knocker" habe ich nicht standgehalten.
Vielleicht schaffen meine Leser mehr.

Und vielleicht hält es sogar länger vor als bis zum nächsten Wiener Schnitzel.

Tief erschüttert grüßt
Tinifeliz

4. Mai 2011

Danke Mama!

Seitdem meine Mama mir "Anständig Essen" geliehen hat, habe ich keinen Bissen Fleisch mehr runtergekriegt. Seit Wochen nicht mehr, es geht einfach nicht und ich will nicht. Und damit es nicht nachlässt, hab ich "Eating Animals" gleich noch hinterhergeschoben. Allein der Gedanke an Fleisch, brah. Die Ansicht döneressender Menschen. Die Auslagen der Metzgereien. Würg.

Ich könnte jetzt seitenweise darüber schreiben, allein mir fehlt die Zeit. Aber diese Tipps wollte ich loswerden, denn meines Erachtens sollte jeder Mensch diese beiden Bücher lesen. Mit dem Pubertätsvegetarismus, der sich bei vielen von uns Mädchen mit 14 oder 15 nach der Lektüre schlimmer Schlachthofreportagen eingestellt hat, hat das alles nicht viel zu tun. Und ich hab mich wochenlang darum herumgedrückt, wenn sie einem so ganz bestsellermäßig im Buchhandel entgegensprangen. Weil ich doch so gerne Fleisch esse und es einfach nicht wissen wollte. Und jetzt bin ich froh, dass ich sie gelesen habe.

Danke, Mama.

2. März 2011

Pfui, Karl-Theodor!

Pfui, Karl-Theodor! Zunächst war ich Dir eigentlich eher wohlgesonnen. Nicht aus der bourgeoisen Bewunderung für den Adel heraus, sondern weil ich echtes Mitleid verspürt habe. Jede Stelle, die man im Guttenplag-Wiki als Kopie enttarnt hatte, hat in mir ein brennendes Gefühl der Fremdscham hervorgerufen, gepaart mit jener Art Mitleid, die jenen gebührt, die die Verantwortung für ihre völlig desolate Situation zwar ganz alleine tragen, die aber dennoch ein gewisses "Das hat keiner verdient!"-Gefühl wecken. Darum habe ich (übrigens felsenfest überzeugt von der Ghostwriter-Theorie, aber dies nur nebenbei, Karl-Theodor) jedes mal innerlich gezuckt, wenn mit Häme und ausgestrecktem Zeigefinger berichtet wurde. Natürlich habe ich auch über die Witze gelacht (derer mein liebster war:
Praktikant im Verteidigungsministerium: "Wo ist denn hier der Kopierer?"
Staatssekretär: "Auf Truppenbesuch in Afghanistan!")

und auch ich habe fieberhaft halbstündlich die Spiegel-Online-Seite aktualisiert, brennend auf ein anderes Bild Deiner Gelfrisur und eine neue Schlagzeile im Stil von "Copy Paste Delete". Doch tief in mir drin, Karl-Theodor, da war mein Mitleid bei Dir, jenes unbegründbare, völlig irrationale Mitleid, das man nicht verdient hat, wenn man abschreibt, und noch viel weniger, wenn man abschreiben lässt.

Aber, Karl-Theodor, aber. Gestern dann Deine Rede. Sag mal, was fällt Dir denn eigentlich ein? Statt - wie es sich für einen Mann von Adel gebührt (oder wie auch immer man das in Euren muffigen Schlössenr ausdrückt) - erhobenen Hauptes endlich mal Deine blöde Kopiererei einzugestehen...! Statt die Chance zu ergreifen und zuzugeben, dass das einfach so richtig super-super-peinlich war, dass es Dir maßlos leidtut, und dass so etwas einfach nicht geht... stattdessen hakst Du die peinliche Dissertation in zwei Sätzen ab und drehst den Spieß dann komplett um: Karl-Theodor der Große, der Edle, ein Opfer der Medien, kann es nicht länger ertragen, dass um seine Person mehr Aufhebens gemacht wird als um die getöteten und verletzten Soldaten in Afghanisatn! Und darum tritt er zurück! Soll ich Dir mal was sagen, Karl-Theodor, ich glaube, dass sich die toten Soldaten im Grabe herumdrehen angesichts dieser Dreistigkeit! Wäre ich eine Angehörige der Opfer, ich würde nach Berlin fahren und Dir persönlich ins Gesicht spucken dafür, dass Du mein totes Familienmitglied für Deinen möglichst unbeschadeten Abgang inszenierst!

Und - ich bin fassungslos - Du gehst noch einen Schritt weiter. Du spielst nicht nur den Gutmenschen, der trotz völliger Unschuld sein Amt den kannibalistischen Medien opfert; nein - Du nutzt dieses Forum, in dem Du eigentlich nichts anderes tun solltest als gesenkten Hauptes demütig vor uns allen (und allen Promovierten, die nicht abgekupfert haben und dabei immer wieder den Mut und stellenweise fast den Verstand verloren haben, ich kenne einen davon!) - jedenfalls wäre das die einzige tragbare Haltung gewesen, die Du im Zuge dieser Rede an den Tag hättest legen können, Karl-Theodor! Du hättest knien müssen vor uns allen und büßergleich reuig den Kopf senken und murmeln
"Es tut mir leid! Ich habe einen Fehler gemacht. Ich bin zwar nicht aufgrund meiner Doktorarbeit Minister geworden, aber ich habe als Politiker eine Vorbildfunktion. Und außerdem kann ich als Politiker nicht die gesamte Wissenschaftsweld des Bildungsstandortes Deutschland derart schamlos vor den Kopf stoßen. Darum trete ich jetzt zurück. Tschö mit ö!"

Aber das hast Du nicht getan. Du hast die Medien verantwortlich gemacht und dann hast Du doch tatsächlich noch die Dreistigkeit besessen, zu betonen, was Du alles Großartiges in Deiner Amtszeit vollbracht hast. Und dass Du Deinem Nachfolger ja wunderbar den Weg geebnet hast und eine supi vorbereitete Bundeswehrreform aufs Platzdeckchen gelegt hast. Damit der auch ja nicht die Lorbeeren abkassiert, damit auch ja nachher alle sagen "Ja, aber vorbereitet hat's der Herr Baron!"

Karl-Theodor, im Laufe Deiner Rede ist wirklich der letzte Rest Mitleid, den ich für Dich noch empfand, so langsam aus den Fingerspitzen gewichen. Das konnten dann auch die paar verdrückten Tränchen am Ende (und ich falle sonst immer, wenn jemand heult!) nicht wieder gutmachen. Überhaupt, Karl-Theodor, die nehm ich Dir nicht ab. Das war doch sicher wieder nur eine Idee von einem Deiner Berater. Vielleicht derselbe, der gesagt hat "Gib den Doktortitel freiwillig ab; in Libyen steppt der Bär, das haben bis Montag eh alle vergessen!". War wohl nix, Karl-Theodor. Peinlich ist das, fremdschämen tu ich mich immer noch. Aber das Mitleid, das hast Du verspielt.

Und aus diesem Grund veröffentliche ich jetzt alle Guttenberg-Witze - die ich mir aus Gründen der Pietät bislang verkniffen habe - gesammelt und für mein geneigtes Blog-Publikum in geballter Ladung. Bäh.
























26. November 2010

Posträtsel

Liebe Post,

dass die Mitarbeiter in Eurer Filiale am Sudermanplatz weniger motiviert sind als Sträflinge in einem sibirischen Steinbruch, nehme ich hin.

An die völlige Inkompetenz einiger Eurer Callcenter-Mitarbeiter habe ich mich gewöhnt. Auch deren Unverschämtheit schreckt mich kaum noch ab.

Aber nun gibt es eine Sache, die ich schlichtweg nicht verstehe:
Warum ist das Porto für den gleiche Brief mit den gleichen Maßen und dem gleichen Gewicht für den Versand nach Österreich geringer als innerhalb Deutschlands?



Ratlos,
Deine
Tinifeliz

9. November 2010

Schön



Schön: Zu erfahren, dass Leute Deinen Blog lesen, von denen Du dachtest, sie hätten Dich schon längst vergessen. Auch wenn sie sich darob etwas ertappt fühlen.

:-)

7. September 2010

Insomnia

Zu den Insomnien (ungenau: Schlaflosigkeit = Agrypnie) zählen Schwierigkeiten beim Einschlafen, Störungen des Durchschlafens und vorzeitiges Erwachen. Hilfe! Bin ich krank? Nee, eigentlich nur viel zu früh aufgewacht.

Es ist schön zu sehen, wie langsam die Lichter in den Wohnungen ringsherum angehen. Und parallel dazu die Sonne wieder vorbeikommt; träge heute und schwerfällig, vermutlich hat sie auf ihrem Weg durch Asien oder Amerika irgend etwas Unschönes erlebt oder wurde beschimpft. Sicher bleibt sie nun den ganzen Tag müde und muffelig und mag nicht hinter den schützenden Wolken hervorkommen. Ich verstehe sie und bin ihr dafür heute nicht böse.

Außer mir ist bis jetzt hier nur eine Fliege wach, allerdings eine extrem nervige. Sie setzt sich immer wieder neben mich an die Wand und scheint mir irgend etwas sagen zu wollen. Ich vermute, dass ihr dasselbe Schicksal widerfahren ist wie seinerzeit Seth Brundle. Das tut mir natürlich leid, aber helfen kann ich ihr auch nicht, da ich gerade keinen Teleporter zur Hand habe.

Und eigentlich bin ich doch nur deshalb nicht im vollbesetzten Bett geblieben und hab meine Nase in wollige Kinderhaare vergraben, weil ich dringend arbeiten muss.

Also wieso raubt mir Seth jetzt hier meine Zeit. Und bloggen wollte ich doch auch nicht.

Schluss jetzt.

18. August 2010

Das ewige Jetzt

In einem interessanten Blog-Eintrag entwickelt meine Freundin Pandoria einen Gedanken zum ewigen Jetzt. Dabei ging mir folgendes durch den Kopf:

Ein ewiges Jetzt ist für mich ein interessantes Konstrukt, von dem ich nicht weiß, ob ich es angenehem oder eher beängstigend finden soll. Ich tendiere zu beängstigend, denn es schwingt etwas Konservatives, vielleicht sogar Reaktionäres mit. Vielleicht weil es auch nach "ewig gestrig" klingt, das - wie mir gerade auffällt - eigentlich nur in seiner gebeugten Form "die ewig Gestrigen" oder "ein ewig Gestriger" verwendet wird.

Und das wiederum lässt meine Gedanken weiterwabern zu einer... hehe... gestrigen Begebenheit, bzw. einer Entdeckung, die ich gestern gemacht habe: Die katholische Kirche betreibt eine sehr kleine, aber sehr feine Bibliothek hier um die Ecke, die - gelebte Ökumene! - von allen besucht und genutzt werden darf, so also auch von mir als Protestantin (und mit großer Sicherheit auch von Angehörigen anderer Religionen).

Jedenfalls frequentiere ich die Bibliothek sehr regelmäßig, verfügt sie doch über ein ansehnliches literarisches Angebot, eine Rampe mit Geländer, an dem Kinder während der Büchersuche fröhlich turnen und auf die Nase fliegen können, freundliche, ehrenamtliche, alte Damen als Personal und den Vorteil, dass dies alles wenig bekannt ist im Viertel... vermutlich denken alle aufgeklärt-intellektuell-dynamischen Jung-Kölner: "Eine Gemeinde-Bücherei, und dann auch noch katholisch, pah!! Dafür bin ich viel zu aufgekärt, intellektuell und dynamisch!". Jedenfalls ist es dort selten voll und die Bestseller, die quasi pünktlich zum Erscheinungstag dort im Regal stehen, sind nicht Wochen im Vor- und Nachhinein vorbestellt, sondern, ja, stehen eben dort im Regal und harren ihrer Entleihung.

Die Bibliothek bekommt auch viele Bücher geschenkt, und die werden dann, wenn fürs Ausleihen ungeeignet, für ein paar Cent verkauft. Natürlich stöbere ich dort immer und kaufe auch fast immer, was den Hauptgrund meines Bibliotheksbesuchs (nicht noch mehr Bücher kaufen und irgendwo lagern müssen) konterkariert. Und gestern entdeckte ich dann eine kleine blaue Fibel mit Namen "Lieder, die wir einst sangen" - mitten im Regal mit den populärhistorischen Werken (genau genommen zwischen "Bankiers unterm Hakenkreuz und Guido Knopps "Wehrmacht").

Da es mich natürlich interessierte, wer was wann ("einst?") sang, blätterte ich das Büchlein durch, und - ich habe keine Zeugen, würde es aber beschwören - mir standen die Haare zu Berge!! Ein Nazi-Lied nach dem anderen! Soldaten-Kameradschaft, Volksromantik, braune Suppe durch und durch. Direkt an erster Stelle das "Deutschlandlied" mit allen drei Strophen; gefolgt von noch mehr schauerlichen und Gott sei Dank längst verdrängten Weisen. Kotz! Brech! Schüttel!

Wer verlegt so etwas? Wer gibt so etwas heraus? Wer sammelt so etwas? Ein Blick auf die erste Seite klärte mich auf: Herausgegeben vom Bundesverband der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS!! Aaaaaaaaaah!!!!

Ich nahm das Buch an mich - ich wollte es den Bibliotheksdamen zeigen und um seine Auslistung bitten... oder notfalls selbst kaufen und feierlich im Altpaper verschwinden lassen. Dann setzte ich - das Liederbuch in der Hand - meinen Bibliotheksbesuch fort, fand noch ein, zwei Kaufbücher, ein paar zum Ausleihen, ein paar Kinderbücher... jedenfalls legte ich dann den ganzen Stapel auf den Thresen und musste mich direkt abwenden, weil sich meine jüngste Tochter zum Sturm auf die Kinderbuch-Ecke blies. Als ich dann nach getanem Für-Ordnung-Sorgen wieder zum Thresen kam, blätterte die Bibliotheksoma gerade in besagtem Liederbuch und sah mich sehr sehr misstrauisch an. Erst jetzt fiel mir ein, meinen Fund zu kommentieren und um die Entfernung des Buches (die auch umgehend erfolgte) zu bitten.

Ich hoffe, ich habe dabei nicht wüst gestottert. Und ich vertraue einfach mal darauf, dass ich nicht aussehe wie eine... da hammers wieder - ewig Gestrige, die derartige Bücher kauft, um die blonde Kinderschar dazu mit der Gitarre zu begleiten. Doch, darauf vertraue ich. Peinlich war's aber dennoch irgendwie.

5. Mai 2010

Gay Games


Vom 31. Juli bis zum 07. August finden in Köln die Gay Games statt. Das ist quasi die Olympiade der Schwulen und Lesben. Darüber freue ich mich, denn erfahrungsgemäß sind große Events in Köln sehr lustig und in diesem Fall locken sie natürlich jede Menge internationales und vermutlich stellenweise sehr buntes Publikum in die Stadt. Aber ich frage mich: Warum gibt es denn Gay Games? Warum keine Hetero Games? Man wird doch von der gewöhnlichen Olympiade nicht disqualifziert, wenn man sich als schwul oder lesbisch outet!?

Die Existenz schwuler Kneipen & Discos kann ich bestens nachvollziehen. Sie verdanken ihre Daseinsberechtigung ja gerade eben ihrer Klassizifierung: Wer auf der Suche nach Gleichgesinnten ist, wird dort mit einer ungleich größeren Trefferwahrscheinlichkeit fündig als in einer nicht als schwul/lesbisch deklarierten Kneipe oder Disco.

Oder der CSD. Ganz klar, eine große, bunte Parade, jede Menge Veranstaltungen, und der Sinn (Danke Wikipedia: "Gefeiert und demonstriert wird für die Rechte dieser Gruppen sowie gegen Diskriminierung und Ausgrenzung") liegt wieder in der Veranstaltung per se. Außerdem macht es Spaß, und auch wir Heten können mitfeiern und staunen (zumindest solange die Kinder noch nicht in einem Alter sind, in dem sie einen nachher in der U-Bahn fragen "Mama, warum hat der Mann da einen Lederball im Mund und eine Leine am Hals? Und wo ist seine Hose?") und unseren Horizont erweitern.

Aber wieso Gay Games? Und wieso Einrichtungen wie schwule Möbelhäuser? Ich bringe derartigen Institutionen keinesfalls irgendeine Form der Geringschätzung entgegen, liebe - mit Sicherheit wieder einmal sehr handverlesene - schwul-lesbische Leserschaft! Also bitte nichts in den falschen Hals kriegen. Ich will es nur verstehen. Die Frage ist wertfrei und objektiv zu verstehen. Also wer klärt mich auf?

14. April 2010

Endlich!!

Endlich habe ich es wieder - nach ungefähr 30 Jahren! In der Originalausgabe von 1968!


Und das Beste - Mila gefällt es auch! Heute direkt dreimal hintereinander vorgelesen.
Wie viele Erinnerungen...!!

10. Januar 2010

Zitat der Woche




"Mama, wo ist die Feuerwehr?
Und die Musik?"


(Mila nach dem Schlitten-Aufstieg auf den dick verschneiten, völlig menschenleeren Weinturmhügel)
-- gewidment den Lesern aus BW und Umgebung...





29. Dezember 2009

Adiós Kauleiste!

Heidewitzka, was hab ich lange nicht geschrieben. Und heute schreibe ich eigentlich auch nur, damit das Jahr nicht vergeht, ohne dass ich noch irgend etwas von mir gegeben hätte.
Lustige Dinge passiert sind mir so einige, und auch zu berichten gäbe es jede Menge, allein mir fehlt die Zeit. Darum an dieser Stelle nur die großartige Neuigkeit, dass bei meiner kleinen Tochter ein sich gestern angekündigtes Zähnchen des Nachts seinen Weg gebahnt hat - das nächste steht schon in den Startlöchern. Dann ist's - für meinen Geschmack - auch erst mal gut.

Dann noch hier dieses supercreepige Video, das allerdings garantiert ein Fake ist:


Und zuletzt noch zwei Buchtipps:
Beides mehr als lesenswert.

In diesem Sinne: Happy New Year und bis hoffentlich bald.

22. August 2009

Ehrenwertes Haus

Wir haben angefangen zu packen!
Welches Lied könnte dabei schöner sein als "Das Alles kommt mit" von Element of Crime?
Leider ist das offenbar eines von ca. drei Liedern, die es nicht bei Youtube gibt...
Dafür hier der Text.

________

Das Glas, aus dem du nie getrunken hast
der Küchenschrott, den kein Mensch braucht
Und das Plastikobst,
von dem du dich optisch ernährst
Das alles kommt mit
Und du auch
Das Klavier, auf dem du nicht spielen kannst
der Abwasch, den du immer verschiebst
Und die Schokolade,
die du in Krankenhausmengen verbrauchst
Das alles kommt mit
Und ich auch

Ich will deine Hand, ich will deinen Mund
Ich will deinen Kopf, ich will deine Zunge
Ich will deine Haare, ich will deine Haut
Und den ganzen Unsinn
Will ich auch

Die Hoffnungen, die du verloren hast
Der Zorn, der nie richtig verraucht
Und die verschusselten Träume,
von denen am Morgen nichts bleibt
Das alles kommt mit
Das brauchen wir auch

Ich will deine Hand, ich will deinen Mund
Ich will deinen Kopf, ich will deine Zunge
Ich will deine Haare, ich will deine Haut
Und den ganzen Kummer
Will ich auch

Die Fehler, die du nicht mehr ändern kannst
Die Worte, die du bereust
Und die Nächte,
in denen du nicht wusstest, wohin mit dir
Die nehmen wir nicht mit
Die lassen wir hier